Archiv für die Kategorie 'Oldtimer in Oliv auf großer Deutschlandfahrt 2011'

19.10.2011 – Durch Frankreich und das Saarland nach Kusel, oder “Der erste Schnee”

Jörg 19. November 2011

0600 – leichter Niesel benetzte Wege und Fahrzeuge als sich ein kleiner Insttrupp daran machte die Fahrzeuge vor der zweitlängsten Tagesetappe der “Erfahrenen Heimat“ abzuschmieren. Der Rest schlummerte noch im Gemeindehaus und auch die Fabbris dämmerten noch im T3.

In Karles Garage stand uns eine Grube zur Verfügung um dem Munga und dem Kübel des UvD die nötigen Schmierstoffe zu verabreichen. Simon prüfte am Hanomag alle Flüssigkeiten, während ich bewaffnet mit der Fettpresse denn nicht enden wollenden Schmierstellen zu Leibe rückte. Das Ganze zog sich gute 1,5h.
Nachdem die Fahrzeuge ihre “Ölung” erhalten hatten ging es ins Gemeindehaus, wo der Rest der Truppe bereits eine Riesenmenge Kaffee zubereitet und den Frühstückstisch gedeckt hat.
Als ich den Raum betrete, stehen alle auf und ein fröhliches Geburtstagständchen ertönt.

Ich nehme die Glückwünsche und den Kuchen in Form einiger Schaumküsse dankend entgegen und bemerke daß wir ab sofort jeden Morgen Singen sollten.

Um den Blog der Etappe nach Füssen veröffentlichen zu können mussten die vielen Fotos noch hochgeladen werden. Über die schwache drahtlose Verbindung in Sonderbuch konnte das nicht zeitgerecht geschehen, weswegen ich beschloss die Kolonne fahren zu lassen und später mit Ducky als Beifahrer hinterherkommen zu wollen.
Nach ca. 1,5 Stunden war die Arbeit am Blog abgeschlossen, so daß wir unsere Fahrt beginnen konnten.
Ich verscheuchte Ducky vom Fahrersitz und teilte ihm mit, daß wir die Rumkriecherei mal unterbrechen und er es sich für eine Zeit auf dem Navigatorplatz gemütlich machen soll.
Zündung, Starten und nach einem Tritt aufs Gaspedal ließen die 4 Drosselklappen den teuren Saft, vermischt mit etwas Luft in Brennräume gelangen.
Da war er wieder – und lief selbst bei diesem diesigen Wetter zwar etwas holperig, aber sauber.
Ich dachte kurz an Herrn Gies und seinen Neid über die bevorstehende Serpentinenfahrt, die ich diesmal mit dem Kübel bewältigen durfte.
Danbar bemerkte ich daß Ducky die Standheizung bereits einige Zeit hatte laufen lassen.
Im Gemeindehaus war es mittlerweile ziemlich kalt geworden und obwohl die Tasten ordentlich klapperten hatte ich eiskalte Finger.
Diese sollten sich bei der vor uns liegenden Verfolgungsfahrt, unterstützt von der bollernden Standheizung, jedoch nach den ersten 5 Haarnadelkurven die wir im Drift nahmen, schnell wieder auf normale Temperaturen einstellen.
Doch zuvor galt es sich erstmal an das völlig veränderte Wetter zu gewöhnen, die Tage zuvor hatten wir schließlich bestes Sonnenwetter gehabt.

Bei einem Tankstopp in der Nähe von Dornstetten mischten sich die ersten Schneeflocken unter die Regentropfen.

Die Karwane hatte dort zuvor Roland mit seiner Liebsten und dem LT40 aufgenommen und ihre Fahrt in Richtung Rheinübergang fortgesetzt.
Auf dem folgenden Streckenabschnitt hinauf zur Schwarzwaldhöhenstraße ging mit jedem Höhenmeter der Schneeregen etwas mehr in Schnee über und wir, die mit einer runden halbe Stunde Verspätung hinter der Kolonne herfuhren konnten uns bereits über eine feine Winterlandschaft freuen.

Im Roadbook der Vorausfahrenden heißt es nun:
“Vor dem Mittaghalt galt es noch Siggi am Bahnhof in Achern abzusetzen. Ihre Tochter war erkrankt und sie wollte sie mit der Pflege des Enkelkindes unterstützen.

Von nun an konnte Markus beweisen wie viel Cheffahrer in ihm steckt. Dem bockigen Getriebe des Munga zeigte auch er sich erst nach einiger Eingewöhnung überlegen.

Auf dem Weg vom Bahnhof zurück zur L87 nahm der Gies im GruKw die Rechtskurve etwas zu eng. Endlich mal eine fordernde Geländeeinlage die dank der lang entbehrten Allradnutzung bezwungen werden konnte.” ( Hierüber werden wir wohl nochmal sprechen müssen – zumal ich die Allradfunktion mittels Freilaufnaben an der Vorderachse deaktiviert hatte!!)

Am Rheinübergang wo Ducky und ich wieder Zum Rest stießen aßen wir im alten Zollhaus á la carte während unsere Fahrzeuge neugierig von den dort rastenden LKW-Fahrern umlagert wurden.

Nun in Zivil auf nach Frankreich! Nächster Halt war Bitché wo uns Andreas, Rainer und Co auf einem Supermarktparkplatz nahe der Stadtmitte erwarteten. Die Vogesenfahrt war auch bei dem bedeckten Himmel ein Vergnügen. Ganz anders war hier der Baustil der Wohnhäuser in den Städtchen und auf dem Land. Und in Bitché faszinierte uns die Festung auf dem Berg über der Stadt. Ein wirklich imposanter Bau. Es muss ein ganz anderes Lebensgefühl sein im Schatten eines solchen Kolosses zu wohnen und zu arbeiten.

Die Freunde schlossen sich uns an um uns bis nach Kusel zu eskortieren. Auf dem Weg zum zweiten Tankstop schwächelte der Munga von Andreas kurz. Sein Herr half ihm aber rasch wieder auf die Sprünge.

Unterdessen gab es einen weiteren Fahrzeugwechsel. In der Nähe von Bitche gab es einen Fahrzeughändler, mit dem ich bereits Wochen zuvor Kontakt hatte und wobei es um den Kauf eines Renault TRM 2000 ging. Da uns die Tour direkt an seinem Gelände vorbeiführte, nutzte ich die Gelegenheit um mir einige Fahrzeuge anzuschauen.
Herr Gies stieg bei mir im Kübel ein und verscheuchte mich mit einem fetten Grinsen auf dem Gesicht wiederum vom Fahrersitz. Wahrscheinlich war dies auch seine Motivation sich mit mir die Renaults anzuschauen.
Nach wenigen Kilometern kamen wir in ein vom Militär beherrschtes Gebiet und erreichten nach unzähligen Kasernenanlagen das Fahrzeugdepot wo der besprochene TRM 2000 mit Seilwinde stehen sollte.
Offenbar beherbergt die Umschreibung “guter Zustand” in anderen Gegend Westeuropas unterschiedliche Auslegungen, weßhalb wir uns dann auch wieder verabschiedeten.

Zurück auf der Bundesstraße fuhren wir zuerst in die falsche Richtung, wobei “falsch” eigentlich nicht der richtige Ausdruck war.
Die Route führte uns zwar immer weiter weiter weg von der eigentlichen Landstraße hinein in das Gebiet des Übungsplatzes (welcher befahren werden durfte), jedoch bekamen wir dabei eine Menge übendes französisches Militär zu Gesicht, angefangen von Infanterie, bepackt bis ans Ende der Leistungsgrenze, bis hin zu Fahrzeugen diverser Bauarten.
Wir waren mit unserem Kübel offenbar eine echte Sensation, zumindest drehten sich eine Menge Hälse nach uns um.
Schließlich kamen wir an eine Herde seltsam anmutender Felltiere und wir entschieden uns zur Umkehr auf die vom Navi vorgeschlagene Strecke.

Zurück auf der richtigen Straße (natürlich schon wieder Serpentinen, diesmal aber in den Nordvogesen) ließ es sich der Gies nicht nehmen einen GolfIV TDI zu ärgern und diesen dann in einer der berühmten Haarnadelkurven auf der Innenseite Derselbigen zu überholen. “Haste ein neues Fahwerk, wa?” bemerkte er trocken, dabei genüsslich an seiner Kippe ziehend.
Der Golffahrer hatte dabei das Entsetzen im Gesicht, entweder waren wir die Ersten die ihn seiner Hausstrecke überholten (er erschien sich ziemlich sicher zu sein uns abzuhängen), oder er glaubte einfach nicht daran daß dieses “Kooblecar” ihn jemals überholen könnte.
Nun gut, nachdem der penetrante Gestank von verbranntem Öl (das war der eigentlich Grund den vermeindlichen Golf mit schadhaften Kolbenringen zu überholen) allerdings immer noch nicht weg war, hielten wir sicherheitshalber an.
Das Öffnen der Motorklappe offenbahrte des Rätsel Lösung – denn der Ölgestank war hausgemacht.
Nach kurzem Rumgebrülle meinerseits nahm ich mir fest vor den Leihwagenfahrer beim nächsten Kontakt die Fahrerlaubnis zu entziehen.
Offenbar hatte einer der Beiden bei der letzten Ölkontrolle vergessen den Ölpeilstab wieder richtig in seiner werksmäßige Öffnung zu versenken.
Dieser quittierte die Undichtigkeit bei den zuvor gefahrenen hohen Drehzahlen mit Ölfontänen aus dem Ölstabrohr.
Die sich schnell drehende Keilriemenscheibe sorgte dann für das pedantische Verteilen des gesamten “Spritzöles” im gesamten Motorraum.
Wenn er auch vorher nicht gefährdet gewesen wäre – rosten tut da sicher nie wieder was….

Beim Tankstop in Konken traf dann auch kurz hinter uns die restliche Kolonne ein.
Das freudige Wiedersehen wurde allerdings schnell durch einen weiteren Zwischenfall getrübt.
Kühlwasser ergoss sich aus Freddys Munga auf den Asphalt. Der Übeltäter war nach Haubenöffnung schnell ermittelt: Der obere Kühlerschlauch hatte ein feines Löchlein entwickelt aus dem in dünnem Strahl das Kühlwassser in Richtung Luftfiltergehäuse entwich. Guter Rat war ebenso teuer wie schnell zur Hand: Andreas hatte einen neuen Schlauch, der mittlerweile mit Gold aufgewogen wird, vormontiert mit allen Einbauteilen und Anschlüssen in seinem Ersatzteilfundus mitgeführt. Freddy konnte ob der vielen helfenden Hände selbst nicht mehr bis zum Motorraum des Munga vordringen und schon nach 10 min waren die Instandsetzungen abgeschlossen, Wasser frisch aufgefüllt und die Haube geschlossen. Eine absolut rekordverdächtige Leistung und ein extrem seltenes Zusammentreffen von Defekt und Ersatzteilglück.
Der Motorraum des Kübels war in der Zwischenzeit unter Zurhilfenahme einer vierstelligen Anzahl Papiertüchern auch wieder sauber geworden.

Nun konnte also Kusel zeitgerecht erreicht werden. Bei schlagartig eingetretener Dunkelheit nahmen wir die letzten Meter bis zum Kasernentor. Dort angekommen musste die Wache zunächst einmal herausfinden für welchen Block wir eingeplant waren. Nach guten 25min, in denen die Freunde die uns bis hierher begleitet hatten sich verabschiedeten und den Heimweg antraten stand fest, dass unser Quartier in der 7. Ausbildungskompanie vorgesehen war.

Unsere Stuben lagen mitten zwischen denen der jungen freiwillig Wehrdienst Leistenden und so zogen wir uns zunächst zum Essen ins Mannschaftsheim, wo es noch einen Geburtstagumtrunk gab und später dezent auf unsere Stuben zurück, um den Ausbildungsbetrieb nicht zu stören.
Ein kleines Geburtstaghighlight gab es dann aber doch noch. Karle hatte im Auftrag der Teilnehmer der Erfahrenen Heimat wohl einen Kuchen auftreiben können. Was heißt Kuchen, was für ein Kuchen! ;)
Wir haben ihn uns schmecken lassen, vielen Dank nochmals hierfür!

Unsere Fahrzeuge fanden ihr Nachtlager im T-Bereich Rücken an Rücken mit Panzerhaubitzen.

Ein langer Fahrtag mit runden 320km Strecke, steillen Bergauf- und –abfahrten, Schnee, einem desillusionierten TDI Fahrer, einem vorläufigen Abschied und vielen Eindrücken ging zuende, und niemanden war etwas anderes näher als das eigene Bett.

Fazit: Der Schwarzwald ist ebenso wie der Munga immer für eine Überraschung gut.
Doppelfazit: Ich zähle die Tage bis der Gies sich auch einen Kübel holt!

18.10.2011 – Allgäu, Bodensee und Schwabenland

Jörg 20. Oktober 2011

0600 – Wecken! Warum auch nicht?

Da unsere Stuben in der Allgäu Kaserne im Block der 1. Kompanie lagen und da diese Kompanie täglich um 0700 auf dem Hof des U-förmigen Gebäudes zum Dienstbeginn antritt, haben wir uns zurechtgelegt, dass alle Teilnehmer das Gebäude mit allen Ausrüstungsgegenständen um spätestens 0645 zu verlassen haben würde.

Wir gingen also pünktlich zu den Fahrzeugen und anschließend zum Frühstück in die Truppenküche.
Nach dem Essen galt es die allmorgentliche Medikamtenenausgabe durchzuführen, hier mal bildlich festgehalten.

Um 0830 begann heute unsere Fahrt in Richtung Bodensee damit wir unser Zwischenziel Stetten a.k.M. rechtzeitig erreichen konnten.
Hier wartete OL Klotz auf uns, der sich in der Planungsphase der „Erfahrenen Heimat“ nach der Veröffentlichung des Vorhabens in der „loyal“ per Mail gemeldet hatte um uns zu einem Besuch der Sammlung im Lager Heuberg einzuladen.

Um dort um 1430 einzutreffen mussten wir uns ranhalten.
Die Abfahrt von Scheidegg nach Lindau bot uns die letzten Alpenserpentinen dieser Fahrt.
Während der Fahrt begeneten wir erwartungsgemäß nicht nur atemberaubender Landschaft, wie die folgenden Bilder beweisen…

… sondern auch einer merkwürdigen Gestalt, welche bekleidet mit einem Regencape und einer Lederkappe, jederzeit bereit zu sein schien vom Fahrrad zu springen und Selbiges schon mal durch Ausklappen des Ständers dafür vorbereitet hatte.

Auf der Bundesstraße entlang des Bodensees kamen wir zwar weiter gut voran, allerdings ist von dieser Trasse bis kurz vor Überlingen, wo wir denn auch schon nach Norden abbogen, praktisch nichts vom größten Binnensee in unseren Breiten zu sehen. Nur ganz kurz also konnte man den nordwestlichen Arm entdecken. Zudem hing Dunst in der Luft, so dass man das jenseitige Ufer der Halbinsel nur undeutlich erfassen konnte. Schade! Man hätte nach den landschaftlichen Attraktionen der vergangenen Tage mehr erhofft.
Egal! Immerhin hatte man scheinbar extra für uns, möglicherweise aber auch für die hier gefürchteten BSE-Touristen noch eine ansehnliche Kirche in einen etwas zu akkurat imitierten Weinberg gepflanzt.

Mittagshalt beim Amerikaner in Überlingen: Siggi hatte einige Mühe in dem ihr praktisch unbekannten Sortiment etwas Adäquates zu ermitteln. Das Personal reagierte auf ungewohnte Fragen etwas gereizt. Am Ende fiel Ihre Wahl auf einen Salat und zum Nachtisch gab es noch ein Stück Kuchen und einen Cappuccino. Der Rest der Gruppe deckte das Mainstream-Sortiment ab und nach einigen Minuten war der Hunger Aller gestillt.
Die Sonne schien unerschütterlich vom wolkenlosen Himmel und ich riss mit Thomas kurzentschlossen das Fahrerhausdach des GruKw auf.

Nun noch eine halbe Stunde nach Norden wo das Lager Heuberg lockte.
Zuvor durcheilten wir aber noch das obere Donautal, das wir von Gutenstein bis Tiefental befuhren. WAS FÜR EINE LANDSCHAFT!!! Die in das Gebirge aus Kalkstein eingeschnittene Donau und die in das schmale Ufer gefräste Strecke, die mit exotisch anmutenden Tunneln gespickt ist waren eine echte Augenweide.

Generationen von Soldaten waren diesen Weg entlang vom Bahnhof und dann die Kehren der ansteigenden Straße nach Stetten hinauf marschiert um in das Lager Heuberg einzurücken und auf dem gleichnamigen TrÜbPl zu üben.


Wir hatten es da etwas leichter, da durch Ziehen des beliebten “Zauberknopfes” dem Hanomag je nach Einstellung bis zu 50PS mehr an Leistung zur Verfügung stehen.
Damit lassen sich auch schwierige Steigungen problemlos bewältigen.

Daher ist folgende Handbewegung des leistungshungrigen Herrn Gies als fahrtentypisch zu beschreiben.

Neben dem bemerkenswerten Schub sorgen auch die Vernebelung der Rückwärtigen Strecke für das Abschütteln aller Verfolger.

Kurz vor der Ankunft im Lager Heuberg sprangen mir diese beiden Motive vor die Linse, welche den Zusammenhang zwischen Bundeswehr und Jahrhunderte alter baulicher Architektur, vortrefflich zu kombinieren schienen.

Am Tor des Lagers erwartete uns schon der OL Klotz um uns durch die Wache zur Sammlung lotsen. Hier angekommen führte er uns durch die Ausstellung, die insbesondere mit einem 1:1-Modell der hier erprobten „Natter“ aufwartete.
Besonders interessant: Der Ingenieur Erich Bachem lebte nach dem Krieg vom Wohnwagenbau. Der „Eriba“ war genau wie die Natter aus Holz und Aluminium gebaut.

In der benachbarten Panzerhalle besichtigten wir etliche, großteils in privater Hand befindliche Fahrzeuge, die hier abgestellt sind um interessierten Besuchern gezeigt werden zu können.
Ein schönes Beispiel einer gedeihlichen Zusammenarbeit zwischen privaten Sammlern und der Bw.

Vor der Panzerhalle konnten wir beobachten, wie ein Pionierpanzer “Büffel” auf einen SLT verladen wurde, bzw. der Versuch gemacht wurde diesen zu verladen.
Der Erfolg konnte sich aufgrund abgefahrener Kettenpolster nicht einstellen, die Kette des Leopard 2 Fahrgestells beschädigte beim Auffahren die Rampen des Aufliegers.

Interessanterweise standen im Lager Heuberg auch einige Renault TRM 2000 LKW der Deutsch-Französischen Brigade, welche in letzter Zeit des Öfteren Thema im Militärfahrzeugforum gewesen sind.

Unsere Fahrzeuge machten dort allerdings auch eine sehr gute Figur.

Anschließend verlegten wir leicht umleitungsbehindert nach Zwiefalten, wo sich Karle auf unseren Besuch freute.
Auch er gehörte zu denjenigen, die sich früh gemeldet hatten um ihre Unterstützung anzubieten. Auf seinem Bauernhof angekommen wurden wir herzlichst begrüßt und zunächst einmal zu seinem echten 6er Munga mit Zapfwelle und Winde sowie durch die Teilelager geführt. In allen Ecken und Winkeln schlummerten Teile. Merkwürdig nur, dass man sich beeilen konnte wie man wollte, der ROA Kribbeler war immer schon vor allen Anderen mitten drin zwischen Kisten und Kasten.
Nach intensiver Kontrolle aller Taschen an Simons Uniform und unvermeidlichem „Hände vorzeigen!“ das durch irgendeinen undurchsichtigen Trick des Delinquenten ohne Ergebnis blieb, ging es in die geschmückte Doppelgarage, wo ein lukullisches Abendessen aufgebaut war. Schnitzel mit Spätzle, raffiniert gewürztem Kartoffelsalat und einer feinen Soße.

Wir einigten uns schlagartig darauf, dass dies das leckerste der privat organisierten Abendessen gewesen sein dürfte. Zu unserer Freude erschien auch noch Werner „MuFu“. Weder Karle noch Werner hatten je einen von uns persönlich getroffen. Durch Jahre des schriftlichen Austauschs war aber eine Vertrautheit entstanden, die zusammen mit dem herzlichen Empfang in kürzester Zeit zu einem freundschaftlichen Miteinander leitete, wie man es unter uralten Freunden pflegt.

Karle hatte für uns das nahe gelegene Gemeindehaus als Unterkunft reserviert. Ein schönes altes Haus in dessen Erdgeschoss ein großer Saal mit Parkett und angeheiztem Kachelofen aufwartete, wo auch schon ein gedeckter Frühstückstisch zu finden war. Karle, seine Familie und Freunde, die „Mungabande“ hatten sich viel viel Mühe gegeben.
Noch ein unverwechselbarer Abend unter Freunden nahm seinen Lauf und trotz der schon chronischen Müdigkeit konnten wir uns von unseren Gastgebern kaum losreißen.

Fazit der heutigen Etappe: Die Schwaben sind Pfundskerle bei den man sich wohlfühlen muss.
Fazit 2: Wer glaubt nach den Alpen wird´s langweilig, sieht sich jäh getäuscht. Unsere Heimat hält immer noch Überraschungen bereit.
Fazit 3: So ein offener Hanomag kann ungemein praktisch sein wenn mal brennen soll.

17.10.2011 – Die Königsetappe

Jörg 19. Oktober 2011

0730 – Frost – richtig schöner Frost! Die Fahrzeuge träumten unter ihrem Rauhreifkleid von den zurückliegenden Kilometern und die Gruppe schlief in Winterschlafsäcken als der UvD jeden Einzelnen sanft berührte und im Flüsterton sachte aus dem Land der Träume in den Wachzustand holte.
War der Gies krank?
Ja war er – wie fast alle anderen auch. Nur, dass es bei ihm die zarten Saiten seiner Seele zum Klingen brachte. Viele der Übrigen husteten und schnaubten sich dieselbe aus dem Leib und fühlten sich dem Krankenlager näher als dem Feldlager.
Medikamente mussten her um die Spannkraft der Truppe zurückzuholen und den alten Angriffsschwung wiederherzustellen.

Aber auch die Fahrzeuge brauchten etwas mehr Zuwendung. Immer nur Flüssigkeiten reinzuschütten reichte nicht. Mein Kübel schrie vor den anstehenden Bergabfahrten nach einer Revision und Einstellung der Bremsen und der GruKw zeigte eine Schwäche im Bereich der Trägerkonstruktion des Etagenbetts. Das Verdeck drohte hierdurch Schaden zu nehmen. Also musst dringend eine Scheuerstelle durch Wegflexen entschärft werden.

Alle Werkzeuge und Hilfsmittel waren in den Fahrzeugen verstaut, so dass eine kleine Gruppe die Instandsetzung betreiben konnte, während das Gros mit der letzten bayerischen Feldbahn, die noch gewerblich genutzt wird, eine Fahrt ins Torfabbaugebiet unternahm.

Bei klarem Himmel und der noch recht tief stehenden Sonne war dies ein überaus reizvolles Natur- und Technikerlebnis.

Im Moor angekommen hielt Robert, der Torfwerksbetreiber, vor seinem schönen Fuchs-Bagger einen kurzen Vortrag über seinen Betrieb und die Eigenheiten der Materie. Auch seine erlebnisreiche Jugendzeit im Moor und mit den diversen Fahrzeugen und Maschinen, die sein Vater besessen hatte kamen nicht zu kurz.

Als die Bahn wieder im Hof zum Stehen kam galt es zunächst einmal Basti zu begrüßen, der inzwischen mit seinem 8er San-Munga auf dem Hof erschienen war um sich für die Fahrt bis Füssen anzuschließen.
Die Gruppe VW181 / GruKw war inzwischen auch weiter gekommen und hatte die Reparaturarbeiten abgeschlossen. Die Bremseneinstellerei erwies sich bis auf das rechte Hinterrad als problemlos, hier war aber eine der Einstellmuttern derart fest, so daß das Rad samt Trommel abgenommen werden mußten. Mich erstaunte das ein wenig, so hatte ich die Bremse erst vor 2 Monaten überprüft, gängig gemacht und eingestellt.
Die anschließende Probefahrt nutzten Herr Gies und ich um bei einer Apotheke in der Nähe Taschentücher, Nasenspray, Hustensaft und weitere Arzneimittel einzukaufen. Auf dem Parkplatz der Apotheke geriet uns der Duft von firschem Leberkäse in die Nase, so daß wir kurzerhand in den angrenzenden Edeka einrückten, um uns dort mit regionaltypischen Leberkassemmeln einzudecken. Die Kassiererien freute sich sichtlich über unseren Anblick und erwähnte, daß seit der Schließung der beiden Kasernen sich ja fast kein Soldat mehr in die Gegend verirre. Sie diente selber 4 Jahre in der Sportfördergruppe der Bundeswehr.

Dann war es an der Zeit für die Verabschiedung von unseren gastegebenden Kameraden und pünktlich um 1130 rollte die „Erfahrene Heimat“ einem weiteren Höhepunkt entgegen.

Kurz hinter Bad Feilnbach ging es rechts steil bergan und von nun an jagte ein landschaftliches Highlight das andere.

Ich hatte mich kurz zuvor von der Gruppe getrennt um in einer auf der Fahrtstrecke liegenden Apotheke einen Immunsystembooster einzukaufen.

Dazu wechselte ich hinter das Steuer meines Kübels, fuhr am Ende der Kollonne, (machte dabei auch mal ein Foto vom fahrenden Hanomag) kaufte bei einer auftauchenden Apotheke eine Großpackung Orthomol und jagte der vorausfahrenden Gruppe in atemberaubender Fahrt die Serpentinen hinterher. Der Alfa- und Mercedesfahrer mögen mir meine Überholmanöver entschuldigen, die hatten wohl nicht damit gerechnet von einem Kübel auf der Innenseite einer übersichtlichen Kurve überholt zu werden. Die Kraft der Motorfrischzellenkur und des Bilsteinfahrwerkes machten dies möglich.

Eine kurze aber willkommene Unterbrechung stellte die Mittagsrast im Klosterbräustüberl in Benediktbeuren dar, wo wir vorzüglich speisten.
Im Biergarten der Klosterstube kam nun die Anstaltspackung Orthomol auf den Tisch. Nach kurzer Einweisung in die Einnahmeregeln warfen wir gemeinschaftlich die Medikamente ein und spülten mit der zugehörigen Vitaminbombe herunter. Morgen wird es die nächste Portion geben. Warten wir ab wie es wirkt und wer stärker ist. Die Seuche oder wir.

Nach dem Essen gingen wir auf die Fahrt um nun den Kochelsee zu passieren. Die Serpentinen und die herrliche Landschaft boten ein völlig anderes Fahrterlebnis und in allen Fahrzeugen rissen die Ahhs und Ohhs nicht ab.

A propos Abreissen: Dem Wolfi riss während dieser Etappe der Gaszug im Kübel. Sowas kommt vor, war aber mit der Hilfe der Besatzung Dortmunder “Schlusskübels” innerhalb von 15 Minuten wieder behoben.

Einen weiteren unplanmäßigen Halt mussten wir dann allerdings doch noch hinnehmen. Kurz nachdem uns Peter in Kaltenbrunn am Straßenrand abgepasst und sich der Kolonne angeschlossen hatte stellte sich in Garmisch-Partenkirchen ein Polizeibeamter in Zivil vor uns auf der Straße auf und hob seine Kelle. Hinter dem zivilen Fahrzeug mit aufgesetzter Magnetfuss-RKL aufgereiht stand nun unsere Fahrzeugreihe anstatt planmäßig zur Tankstelle in Oberau zu rollen.

Also sprang Freddy frisch vom Beifahrersitz des Führungsfahrzeugs um auf die Frage nach dem „WER, WIE, WAS“ mit einem geölten Kurzvortrag und der Präsentation der zugehörigen Belege zu Absicht, Zweck und UTE zu kontern. Inzwischen waren vier Beamte und zwei Streifenpolizisten auf dem Trottoir erschienen und die Mienen hellten sich merklich auf. Leider konnten wir nicht mit DER Schlagzeile dienen. Nett war die Reaktion eines Ermittlers, der beim Blick auf unsere Deutschlandroutenkarte mit einem spontanen „Jesses!“ reagierte. Dafür hatte sich der Stop schon gelohnt.

Nach zehn Minuten ging es weiter. Wir wollten nun die B12 vor Farchant verlassen um ihren früheren Verlauf nachzufahren. Doch nach der Ortsdurchfahrt versperrte eine unangekündigte Straßenbaustelle die Wiederauffahrt vollständig, so dass wir unter Mühen wenden und nun doch durch den neuen Tunnel fahren mussten. Das Dröhnen des Hanomags in der Röhre entschädigte uns hinreichend für den erzwungenen Umweg.

Bald darauf trafen wir an der Tankstelle in Oberau Aidan mit seinem Iltis. Er begleitete uns nun bis Füssen, während Peter sich schon beim Umkleidehalt vor der Österreichischen Grenze verabschiedete.

Die nun folgende Fahrt hinauf zum Plansee und an diesem entlang waren kaum zu überbieten. Bei herrlichem Sonnenschein aus genau richtiger Richtung prägten sich die Reize dieses Kleinods für immer ein. Menschen- und Fahrzeugleer präsentierte sich die Gegend. Unwiederbringlich schön!
Ich lasse einfach die Bilder meiner Nikon D50 sprechen.


Der Abstieg nach Füssen verlief reibungslos, weniger glatt lief die Fahrt durch Füssen, das wir über den alten Grenzübergang erreichten. Mehrere kurz hintereinanderliegende kleine Kreisverkehre in der verkehrswuseligen Altstadt zerstückten die Kolonne so wirkungsvoll, dass an dem nur wenige hundert Meter weiter gelegenen Kasernentor nach den ersten vier Fahrzeugen erst einmal lange gar nichts ankam, dann aber aus zwei Richtungen die Fahrzeuge in Kleingruppen erschienen.
Dubios, aber in dem Gewühl offenbar nicht zu vermeiden.

Auf dem Ex-Platz wurde nun geparkt, und Leutnant Rehse begrüßte uns. Außerdem machte uns ein Lokalredakteur seine Aufwartung, der lange Jahre als Kommandeur der heutigen Allgäu-Kaserne fungiert hatte.

Seine aufmunternde und wohlmeinende Ansprache nach den obligaten Fotos und Gesprächen taten gut. Nein – wegen Neuschwanstein waren wir tatsächlich nicht hier. Interessant, dass wir mit dieser Haltung die ersten Besucher waren.

Man hatte uns die Küche 15 Minuten länger aufgehalten, so dass wir in ordentlicher Ordnung zunächst dorthin verlegten, Hamburger aßen und anschließend in ebendieser Ordnung unsere Habseligkeiten in den Block der 1./GebAufklBat230 schufen.

Teile kehrten noch kurz in die UHG ein.

Zwischendurch wurde Basti verabschiedet, der leider wieder nach Hause zurückmusste.
Im Anschluss genossen wir die erstklassige Sanitärausstattung und zelebrierten jeder für sich eine anständige Menschwerdung.
Attraktionen waren bewusst nicht eingeplant, damit wir einmal etwas Schlaf nachholen konnten. Das Wochenende steckte Allen in den Knochen.
Es muss aber kurz erwähnt werden, dass diese Kaserne sicher eine der schönsten dieser Reise, wenn nicht der Bw ist. Die Gebirgstruppe ist schon etwas ganz Besonderes, was sich nicht in der allgegenwärtigen und stolz getragenen Bergmütze erschöpft.

Danke für diesen Tag!

Fazit des heutigen Tages: Die Heimat ist schön! Und Österreich kann stellenweise noch schöner sein!

15.10.2011 – bei Freunden

Jörg 16. Oktober 2011

07:15 – der unerbittliche UvD findet uns auch diesen Morgen schlafend im Hanomag. Er hat rüsselseuchenbedingt, die letzte Nacht in der Turnhalle verbracht.
Die halbe Nacht habe ich nicht schlafen können, da das einzige elektronische Teil im Führerhaus des Hanomag, eine Temperaturanzeige mit mehreren Fühlern, uns ab 04:00 jede halbe Stunde akustisch daran erinnern mußte, daß es unter 2° kalt ist.
Davor ließen in regelmäßigen Abständen jede Menge schräger Gesang aus der Hallenküche uns sträflich daran erinnern, daß wir hier eine scheinbar großartige Party verpassen. Der Schlaf der Gerechten war uns in den Schlafsäcken liegenden, in dem Moment wichtiger.
Besser hatte es wohl diejenigen, die es sich in den beheizten Umkleideräumen der Turnhalle gemütlich gemacht hatten und von der Karaokeshow gar nichts mitbekommen hatten.
Für die kommenden Nächte werde ich den Nachtplatz der Hanne sorgfältiger auswählen.

Daher hatten wir auch nicht den Berichten zufolge großartigen Weckruf des Trompeters der RK Hof mitbekommen.
Nach einem bayerisch wurstbasierten Frühstücksbuffet mit allerlei Backwerk und frischem Kaffee sah die Welt schon wieder anders aus.
Dazu kam der strahlend blaue Himmel und die Morgensonne, welche uns in gesteigerte Fahrtstimmung versetzte.
Inzwischen hatten sich Bernhard mit seinem Hanomag AL28 GruKW II eingefunden, der unsere Fahrt planmäßig für einen Tag als Teilnehmer miterleben wollte.
Mit diesem Fahrzeug reihte sich ein weiterer GruKW in unsere Kollonne ein – zwei baugleiche Exoten in einer Marschordnung – ein wirklich seltener Anblick!

Nach herzlichem Abschied rollte die Kollonne auf kleinsten Nebenstraßen um Hof herum gen Süden und überplanmäßig wurde der erste Halt erreicht.

Leider erwies sich die ergoogelte Raststätte Mitterteich als praktisch nicht erkennbar, so daß wir auf den nächst gelegenen Parkplatz an der Straße auswichen.
Hierdurch verpassten wir Gerald “Da Oberpfälza” der sich an der Raststätte mit uns treffen wollte.

Die restliche Fahrt zum Treffpunkt Vohenstrauss folgte uns Gerald angewiesen durch immer neue SMS zum aktuellen Standort der Gruppe, um schließlich nur Minuten nach unserem Eintreffen ebenfalls dort zu erscheinen.
Auf dem Parkplatz in Vohenstrauss wartet eine illustre Schar regionaler Militärfahrzeugfreunde mit mehreren Iltis, Unimog und VW Bussen um uns von dort an unter der Führung von Bernd Michael Beutel in das Grenzgebiet der Tschechischen Republik zu begleiten. Bernd Michael hatte in der Planungsphase der Erfahrenen Heimat seine Hilfe angeboten und uns die Unterkunft im Standort Roding ermöglicht.
Darüber hinaus ist er ein ausgewiesener Kenner der Topografie im ehemaligen Grenzbefestigungsstreifen und bot uns die Führung durch ein Teil dieses Gebietes an.
Da wir das Hoheitsgebiet der BRD verließen, kleideten wir uns um in Zivil. Vorher besuchten wir allerdings noch eine private Techniksammlung in Eslarn, welche mit unerhörten Mengen an Motorrädern, PKW, LKW und Traktoren, sowie Dampfmaschinen aus den vergangenen 120 Jahren aufwartete.

Schließlich im Grenzland angekommen, gab es im Gebiet des “verschwundenen Dorfes” Spurensuche und einen Fotohalt.

Nach einem späten Mittagessen in dem ehemaligen Forsthaus, welches das letzte existierende Gebäude der ehemals 500 Seelen zählenden Ortschaft ist, ging es in rascher Fahrt nach Roding in die Arnulf Kaserne.

Wenn man in dieser Kaserne zu Gast ist, gehört ein Besuch der Sammlung des Traditionsverbandes “Panzeraufklärungsbataillon 4 e.V.” zum Pflichtprogramm.
Die äußerst sachkundige Führung dauerte eine knappe Stunde und vermittelte uns einen Einblick in die Geschichte des Standortes und seiner Belegung.

Nach der Führung trugen wir uns gerne in das Gästebuch des Vereines ein.

Stubenbeziehen, Abendessen im Casino, Waschprogramm, Bettruhe wurden in rascher Folge abgearbeitet.

Für diejenigen die ihre Stubenfenster in Richtung Parkplatz hatten, wurde die oben schon einmal angesprochen Alaramdarbeitung meines Temperaturwächters zum unerwünschten Weckruf. Wer jetzt glaubt daß der Alarmton dieses Gerätes einer Autohupe gleich kommt – geht fehl. Auch der Reservist ist getreu des alten Mottos “Auch Nachts Hellwach”!

14.10.2011 – Auf in die Berge!

Jörg 15. Oktober 2011

0700 – Wecken durch den UvD. Der Korridor im 2.OG hallt vom langgezogenen „Auuuuuuuuuufstöööööööööööhn“ wieder und das fordernde Donnern der Faust an den Stubentüren kommt Stube für Stube näher. Da hilft kein Ohropax …
Das Frühstück versöhnt mit frischem Kaffee, Brötchen und allem was dazugehört.
Für unseren OG Jacobsen gibt es etwas Deftiges zur Frühkost.

Der THW Ortsverband Pirna weiß was müden Kraftfahrern auf die Beine hilft, und die Morgenkälte sorgt für den Rest.

Nach der gehörigen Verabschiedung und dem Dank an unsere Gastgeber setzt sich die Gruppe aus 13 Teilnehmern auf 9 Fahrzeugen pünktlich in Bewegung.
Ein Schlenker um die Festung Königstein gibt einen ersten Eindruck von den Reizen der Sächsischen Schweiz aber schon die geplante Auffahrt nach Gohrisch scheitert an einer Straßenbaustelle. Es heißt umzuplanen und während der Fahrt sofort eine Ausweichroute zu bestimmen. Die nächstsüdliche Route führt nun erstmals kräftig bergauf und in der wildromantischen Landschaft säumen die markanten Elbsandsteinfelsen unseren Weg.
In den nächsten Stunden führt unser Weg auf leeren Nebenstraßen hart an der Grenze der Tschechischen Republik entlang durch das Erzgebirge und bis zum Mittagshalt haben wir den Umwegrückstand schon wieder mehr als aufgeholt. Das obwohl zwei weitere Straßenbaustellen uns zu Improvisationen zwangen, die glücklicherweise von Erfolg gekrönt waren. Erstaunlich: Die gebirgige Gegend hatte unsere Durchschnittsgeschwindigkeit überhaupt nicht verringert.

Die Mittagsmahlzeit nahmen wir im Ratskeller in Schlettau ein, wo Monsieur Helies uns mit feinster französischer Küche verwöhnte. Nach einem raffinierten hors d´oeuvre liessen wir uns einen vorzüglichen coq au vin schmecken und zum Abschluss servierte man uns ein Vanilleeisbällchen mit Kürbisöl als Gruß des Hauses. In dieses Haus wird man gerne einmal wieder zurückkehren. Das steht fest.

Einem namentlich nicht gennanten Teilnehmer der Erfahrenen Heimat 2011 wollte das von ihm so titulierte “Lederflugzeug” nicht so recht schmecken, daher wich er nach kurzer Kostprobe auf ein bodenständiges Stück Herdentier aus.
Wohl bekomms!

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Nach herzlichem Abschied rollten wir unverdrossen unserem heutigen Tankstop entgegen. Wieder verlegte uns aber eine Straßenbaustelle den Weg. Die Krux an der Sache ist die unsägliche Beschilderung, die in der Regel eine gewisse Überalterung der Botschaft im Bezug auf den Stand der Bauarbeiten aufweist.
Die Navigation wurde zur Hölle und nach dem Tankstop wurde nichts besser. Zwei parallele Straßen in Richtung Westen waren so ausgeklügelt gesperrt, dass nur ein Ausweichen nach Norden und durch größere Ansiedlungen eine Aussicht bot, Mödlareuth noch zu einer akzeptablen Zeit zu erreichen.
Schließlich hatte uns OTLdR Ewald Reichel schon am Morgen um 0830 telefonisch die Einsatzbereitschaft der RK Hof gemeldet und diesen verwegenen Haufen wollten wir nun nicht noch länger in der Bereitschaft warten lassen.
Auf das Äusserste beschleunigt und mit gewissem Ingrimm rissen wir die letzten Streckenkilometer durch das Vogtland ab. Aber nicht, dass wir falsch verstanden werden! Die wundervolle Landschaft konnte nichts dafür. Im Gegenteil! Ein schöneres Fahrterlebnislässt sich kaum denken. Erzgebirge und Vogtland boten Alles um uns nach den fast 99% Flachland der Voretappen fahrerisch und optisch maximal zu beglücken.

Siggi lernte sämtliche Tücken einer mangelhaften kratzenden und beissenden Mungaschaltung zu zähmen. Nach und nach wurden die wilden Fanfarenattacken des den Rückspiegel und die Ohren des Führungsteams füllenden GruKws, der in den Senken maximalen Schwung aufbaute um die darauffolgenden Steigungen ohne Schaltorgien zu absolvieren, weniger.
Dabei werden auch mal wieder die Federn des Hanomag gefordert, auch wenn man meinen könnte, dieses Bild sein die Darstellung einer Wahrnehmungsverschiebung infolge Ibuprofeneinnahme.
Wahrscheinlich handelt es sich nur um die ersten Schritte des Kamerakindes Thomas bei dem Versuch mal ein seltenes Bild vom Fotografen / Fahrzeugführer zu schießen.

Mit einer akzeptablen Verspätung von 20min erreichten wir das ehemals geteilte Dorf Mödlareuth, wo uns die Kameraden der RK Hof in Empfang nahmen. Wolfi und Karl-Heinz, die auf dem Parkplatz auf uns gewartet hatten wurden sofort in die Gruppe aufgenommen. Eine Straubinger Reisegruppe die eben das Museum verlassen hatte, wurde auf unsere Fahrzeuge aufmerksam und nach kurzer Erläuterung unseres Vorhabens wurde die Sammelbüchse der Jenny-Böken-Stiftung eifrig zum Klingen gebracht. Unter Führung von Ewald Reichel lernten zunächst den Außenbereich des Deutsch-Deutschen-Museums kennen, in dem ein Teil der authentischen Grenzsperranlagen eine bedrückende Erinnerung durch seine Erlebbarkeit wach hält.

Im Museumsgebäude sahen wir den Film zur Geschichte Mödlareuths und seiner unsäglichen Teilung. Anschließend wurden die Fahrzeuge und Exponate angeschaut und die Sonderausstellung mit Fotografien aus Grenzerkameras in Richtung Westen hinterließ einen bleibenden Eindruck.

In der inzwischen eingetretenen Dunkelheit verlegten wir nach Töpen wo uns die RK Hof in der Sporthalle unterbringen wollte.
Nach dem Parken der Fahrzeuge betraten wir die Halle und fanden eine große gedeckte U-förmige Tafel mit Bierfass und Tischdecke vor. Eine Leinwand an der Stirnseite der Halle zierte unser Veranstaltungslogo zusammen mit Jennys Zeichnung.
Der Vorsitzende der RK Hof und der Bürgermeister von Töpen hießen uns willkommen und auch wir nutzten die Gelegenheit uns in der großen Runde für die Unterstützung zu bedanken.

Die RK Hof hatte beschlossen uns die von örtlichen Unternehmen gestifteten Leckereien kostenlos zu reichen und von den eigenen Mitgliedern einen angemessenen Beitrag als Spende zu erheben, so dass als Ergebnis des Abends eine Überweisung der RK an die Stiftung entstand und unsere Fahrtkasse, deren Überschuss ebenfalls an die Stiftung geht, nicht belastet wurde.
In einer fröhlichen Stimmung mischten sich die Teilnehmer unter die Hofer und ein außergewöhnlicher Abend nahm seinen Lauf. Schlappen-Festbier wurde in kleinen Mengen verkostet und viele interessante Gespräche bereicherten unseren Fahrterfahrungschatz.

Wer nicht dabei war hat definitiv etwas ganz Besonderes verpasst. Wohl selten war dieses Wort wahrer als hier.
Kameraden die wir nie zuvor gesehen hatten sagten uns vor einem Jahr ihre Unterstützung zu. Und was sie uns dann boten sprengte unsere Vorstellungskraft. Unsere Bekleidung wurde in drei Maschinendurchgängen gewaschen und der letzte Trocknergang endete um 0200 in der Nacht.
Viele unserer Kameraden konnten sich dem Reiz der Veranstaltung nicht entziehen und blieben trotz der aufgestauten Müdigkeit länger auf den Beinen um die großartige Gastfreundschaft zu erwidern.

Danke! Das war wunderbar und es hat unsere Motivation nocheinmal ganz entscheidend gestärkt.

Fazit des heutigen Tages: Berge können uns nicht bremsen und am Ende des Tages zählt nur echte gelebte Kameradschaft.
Fazit die Zweite: Der OG Jacobsen ist ein Wunderwerk der Biochemie. Ich dachte schon, dass ich sehr viel Essen kann, er ist allerdings eine wahre Stoffwechselmaschine.
Wir hoffen, dass ihn die Medzinforschung nicht noch vor Fahrtende für sich entdeckt, wir wüssten nicht wohin mit unseren Essensresten.
Mahlzeit!

13.10.2011 – Sachsen!

Jörg 13. Oktober 2011

08:50 Antreten vor den Gebäuden des Technikmuseums Kummersdorf.
Es ist erstmalig empfindlich kalt.
Kurze Fahrereinweisung, erfolgte durch Freddy.


Unsere nächste Etappe führte uns über Moritzburg und Dresden nach Pirna.
Unterwegs sahen wir wunderschöne Alleen und erfreuten uns an der abwechslungsreichen Landschaft die zum ersten Mal seit 1000 Kilometern wieder sanfte Hügel und Steigungen bereit hielt.

In Moritzburg schauten wir uns etwas die Stadt an und aßen zu Mittag.

Kris hatte kurzfristig seinen Mowag geholt, welcher als Teilnehmer der Erfahrenen Heimat durch unseren Aufkleber gekennzeichnet wurde.

Dresden empfing uns bei Postkartenwetter und die gewählte Route führte uns am Elbeufer vorbei an der Semperoper und den zahllosen Sehenswürdigkeiten dieser schönen Stadt.

Erfreulicherweise kam die Kolonne aus 9 Fahrzeugen reibungslos durch den großstädtischen Verkehr, so daß wir exakt im Zeitplan Pirna erreichten, um dort vom THW Ortsverband Pirna, sowie dem stellvertretenden Landesvorsitzenden des VdRBw OTL Klaus Rogoll in Empfang genommen zu werden.

Die Helfer des THW hatten sich viel Mühe bei der Vorbereitung unseres Besuches gegeben. Nach einem kurzen Blick auf die Ausrüstung der Ortsgruppe Pirna, wurde das DDR Museum besucht, wo auch die Unterkunft der Teilnehmer stilvoll in kaiserzeitlichen Kasernengebäuden vororganisiert war.
Nach dem Besuch nutzten wir die Duschgelegenheiten ausgiebig und gingen zum Kameradschaftsabend in den Hof des THW.
Nach obligatem Dank an unsere Gastgeber wurden noch viele interessante Gespräche geführt.
Bei Feuerschein und Grillvergnügen ließen wir auch diesen Tag im Kreis von neu gewonnenen Kameraden langsam ausklingen.

Fazit des heutigen Tages:

Auch wenn man meint, daß die Federung eines Hanomag eher für gar nichts geeignet ist außer sämtliches Fahrzeuginventar durcheinander zu werfen, kann ein ischiasgeplagter Kübelfahrer hier Linderung finden.
Nicht nur, daß Herr Gies im Vorfeld auf die Verwendung seiner Standheizung pochte, nun sitzt er auch noch mein schönes Kopfkissen platt und fantasiert im Ibuprofenwahn von 24V Sitzheizungen…

12.10.2011 – Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Jörg 12. Oktober 2011

03:15 – Der Gies steht auf und geht eine Rauchen – nicht normal.

07:15 Der Gies steht schon wieder auf – nimmt uns diesmal aber mit.
Es geht vom Duschcontainer über das Frühstücksbuffet zum letztendlichen Revierreinigen, hin auf die staubige Straße. Ja staubig, denn heute zeigt sich das Wetter mal wieder von seiner Sonnenseite.

Der Blick zurück ins Lager offeriert uns ein Suchbild:

Original und Fälschung – wer findet die 18 Unterschiede?
Hinweise bitte an die Administration.
Wir wollten nach Berlin, Duckies Munga hatte aber wohl andere Pläne.
Die 90km bis nach Eberswalde sollte der Wagen noch schaffen, also fuhren Ducky und ich in meine Halle um den Munga dort zwischenzulagern und auf meinen Kübel umzusteigen.

In der Julius Leber Kaserne trafen wir dann alle wieder zusammen.
Dort erwartete uns der Landesverband Berlin mit einem reichhaltigen Mittagessen und einer Menge interessanter Gespräche.

Die Kameraden zeigten sich an unserem weiteren Berlinprogramm interesiert und begleiteten uns zunächst zum Ehrenmal.
Um das Fahrzeug in die Kollonne aufzunehmen erhielt es unseren Aufkleber.


15:15 BMVg


“Den Toten unserer Bundeswehr für Frieden Recht und Freiheit”


Ein berührender Ort, dessen Deutungsebenen uns Oberstleutnant Decker vom Besucherdienst des BMVg in einem halbstündigen Vortrag näher gebracht wurde.

Die Fahrt aus der Stadt erwies sich als echte Bremse.
Wir waren gerade dem städtischen Stau entkommen, wartete schon die nächste Verzögerung auf uns.
200m vor unserem nächsten Tankstop hatte ein unachtsamer Autofahrer einen Baum touchiert, was für ein beachtliches Feuerwehraufgebot und eine Sperrung der Straße sorgte.

Der Tageskilometerzähler zeigte 227km an, da hatten wir auch schon unser Etappenziel, das Technikmuseum Kummersdorf, erreicht.
Bernd Kieker zeigte uns und unseren Berliner Kameraden seine sehr interessanten Exponate.

Nach der Verabschiedung der Berliner Delegation zogen wir uns in die bereit gestellten Räumlichkeiten zurück, aßen eine Kleinigkeit und machten uns fertig für die kommende Nacht.

Morgen geht es über Moritzburg und Dresden nach Pirna.

11.10.2011 – Heute sind wir in Ruhe

Jörg 12. Oktober 2011

10:30 – ich wache auf und warte auf den Weckruf des UvD.
Ein Seitenblick verrät mir, dass dieser aber ebenfalls noch schläft.
Heute sind wir ja in Ruhe, da gehört das Ausschlafen mit zum Dienstplan.

Draußen vor dem Hanomag ist schon Bewegung zu hören.
Simon und ich schlafen im Hanomag – und seit gestern auch der Thomas.
Wir hatten gestern noch etwas länger getagt und über die sensorgeregelte Temperatursteuerung meiner Truma Standheizung referiert.
Einig darüber, dass so ein Teil eine sinnvolle Ergänzung zum Fahrzeug darstellt, finden wir erst gegen 01:30 den Weg in die Schlafsäcke.

Nach dem Frühstück machten sich Siggi und Stefan auf den Marsch zum Neuwarper See, während sich der Rest um den technischen Dienst an den Fahrzeugen kümmerte.
Dankenswerterweise stand uns hierfür die große KFZ Halle auf dem Gelände zur Verfügung.

Im Detail wurde geprüft / repariert / kontrolliert: (Kontrolle Flüssigkeiten = Alle)

Freddies Munga:
Luftdruck überprüft

Duckies Munga:
Keine TD, da Fahrzeugausfall (dazu später mehr)

Fleeties Iltis:
Kontrolle Ölstand (250ml Motoröl auf 1500km)
Kontrolle Manschetten

Michas T3:
Ursachenforschung Kraftstoffleck

Michas Puch G:
Kontrolle Ölstand (750ml Motoröl auf 1000km)

Jay_Dee´s Hanomag:
Abstellen diverser Klappergeräusche
Justierung Luftdruck
Kontrolle Hardyscheibe Zwischengetriebe

Thomas Kübel:
Auffüllen Getriebeöl
Reparatur Hupe
Instandsetzung Blinker hinten rechts
Instandsetzung kreischender Tacho

Duckies Problemmunga wurde heute nicht geinstet. Er entschloss sich das Fahrzeug in Eberswalde abzustellen und mit Jay_Dee´s Kübel die Fahrt weiter fortzusetzen.
Die Kupplung am Munga wird in absehbarer Zeit den Geist aufgeben, eine Reparatur würde zuviel Zeit in Anspruch nehmen, so dass wir von dieser Maßnahme Abstand genommen haben. Ducky hat während der Fahrt im Kübel Gelegenheit über die Anschaffung eines Iltis nachzudenken…

In der Greifenkaserne machten wir dem Kasernenfeldwebel unsere Aufwartung um Danke zu sagen und uns nach Möglichkeiten der Übungsplatzbenutzung zu erkundigen.
Im Dienstleistungszentrum konnte Kleidung getauscht werden.
Auf dem Rückweg ins Lager kauften wir für das Abendessen ein (Spaghetti mit Pfifferling- Sahnesoße).
Zurück im Wald erkundeten wir die Umgebung und befuhren die KFZ Geländenbahn, welche mit 14 Stationen alle Inhalte der MKF Ausbildung Rad abdeckt. Der Sandboden sorgte für starke Verzögerung im Vortrieb und verhindert Beschädigungen am KFZ.

Nach dem Abendessen ließen wir den Feudel kreisen und bereiteten die Unterkunft für die morgige Rückübergabe durch die StOV vor.
Schließlich gilt es morgen spätestens um 09:00 aufzubrechen um Berlin rechtzeitig zu erreichen.
Unser Abend endete schließlich mit einem gemütlichen Beisammensein mit Gitarrenspiel am Lagerfeuer.

Unser Ruhetag hat uns unheimlich gut getan und wir bedauern jetzt schon dass dies der einzige seiner Art auf der Erfahrenen Heimat sein wird.

10.10.2011 – Der längste Tag

Jörg 11. Oktober 2011

Heute fuhren wir vom Bahnhof Benz um 0845 ab, um am Ortsrand von Eutin noch einen ausführlichen Presse- und Fototermin mit einer Redakteurin der Kieler Nachrichten wahrzunehmen.

Vorher stand neben der Verwunderung über kräftig gestiegene Lufttemperaturen und nach anständigem Frühstück und dem Verstauen der Ausrüstung natürlich noch die ordentliche Verabschiedung von unserem großzügigen Gastgeber und von den ausscheidenden Teilnehmern an.

Die junge Familie aus Hildesheim hatte das Kunststück fertig gebracht den einjährigen Max völlig reibungslos zwei Tage unter anstrengenden Bedingungen im Iltis bis nach Benz zu fahren. Der Kleine blieb unerschütterlich froh und munter. Respekt!

Die heutige Fahrt führte bei dann bei diesigen Bedingungen und immer wieder niedergehendem Regen und Niesel zunächst zur Ostseeküste.

Auf der winzigen Travemünder Priwallfähre setzen wir über und gewannen nach wenigen hundert Metern Mecklenburger Boden.

Bemerkenswert häufig trafen wir bis hier auf Schrottplätze scheinbar halbprivater Natur, auf denen sich so manches korrodierendes Kleinod zu befinden schien.

Ohne besondere Vorkommnisse erreichten wir den ersten Tankstop in Kritzow und den Mittagshalt im Reinstorfer Krug wo uns mit Sauerfleisch und Bratkartoffeln ein herzhaftes Essen erwartete.

Frisch gestärkt konnte der nicht unerhebliche Rest der 317km langen Etappe unter die Räder genommen werden.

Die einzige Aufregung des Tages verursachte ein Abriss der Kolonne in Güstrow, wo sich verkehrsbedingt ein Sattelzug in die Fahrzeugkette mischte, der die Sichtverbindung zwischen dem Führungsfahrzeug und Duckies Munga in einem ungünstigen Moment unterband. Mittels PMR und Telefon konnte die Situation aber in 15 min geklärt und die Gruppe wieder zusammengeführt werden. Auf der anschließenden verkehrsarmen Strecke holten wir den Rückstand sukzessive wieder auf.

In Langenfeld besuchten die Teilnehmer den letzten von einstmals vielen Sockel-T34, der 1975 aufgestellt und vor einigen Jahren durch einen Ratsbeschluss vor der Beräumung gerettet wurde. Er erinnert heute unter veränderten politischen Rahmenbedingungen immer noch sehr plastisch an einen prägenden Abschnitt deutscher und regionaler Geschichte. (Anmerkung: leider ist er in NVA Olivgrün lackiert, soll aber eine russische Ausführung darstellen)

Planmäßig um 1830 erreichten wir dann den Tankstop in Torgelow, wo uns unser Mittelsmann Marco traf, der am Vormittag den Schlüssel für das Lager Rieth von der StOV übernommen hatte. Die letzten Kilometer in der Dunkelheit hatten ihren eigenen Reiz.

Wenige hundert Meter vor Erreichen der Haff-Grenze, bogen wir in einen schmalen, von einem Standortübungsplatzschild gekennzeichneten Waldweg ein, welcher uns den Weg in den Übraum Rieth anzeigte. Jay_Dee kannte den Weg noch von seiner 2-wöchigen Übung im April beim PzGrenBtl 908, wo er Bekanntschaft mit nahezu jedem Erdloch, jedem Hang, jeder natürlichen Deckung machen konnte. ;)
Nach einigem Gehuckel erreichten wir das Lager Rieth, ein winziges, aber idyllisches Fleckchen Kaserne im Miniaturstil, umsäumt von dichtem Kiefernwald und in Hörweite der polnischen Grenze.

Wir bezogen die Stuben und nutzten die wohlig warmen Waschgelegenheiten.

Ein gutes Abendbrot mit frisch gebratener Wurst und Frikadellen motivierten Alle die Gelegenheit zur Auffrischung der Formaldienstkenntnisse wahrzunehmen und schon nach einer halben Stunde stand die Formation ordentlich vor ihrem UvD. So müssen wir keinen zukünftigen Auftritt fürchten.

Fazit des heutigen Tages: Den morgigen Ruhetag im Lager Rieth haben wir uns redlich verdient. Zeit zur Durchsicht der Fahrzeuge und kleinem technischem Dienst ist hochwillkommen und der morgige Tag wird nicht langweilig werden.
Schließlich lockt auch der Marsch zum Stettiner Haff und es steht ja noch die umfangreichere Arbeit an Duckies Kupplung an.

Es geht weiter und es wird keine Minute langweilig!

09.10.2011 – Auf in die holsteinische Schweiz!

Jörg 10. Oktober 2011

06:30 – noch schläft der Hafen, als der Weckruf des UvD die Teilnehmer aus dem Schlaf reißt.


Nach ausgiebigem Frühstück wird zum Marinemuseum verlegt.
Hier erwartet die Teilnehmer eine großartige Sammlung zur Geschichte der Deutsche Marine. Nach kurzer Besichtigung der Sammlung geht es in die Freilichtausstellung wo neben dem Lenkwaffenzerstörer „Mölders“ und einem Minenjagdboot, insbesondere das aufgebockte U Boot der Bundesmarine aus den 60er Jahren die Blicke auf sich zieht.

Das U Boot kann man auch von Innen besichtigen, was unsere beiden Landratten Simon und Thomas ausgiebig nutzten.


Nach Verabschiedung der in WHV ausscheidenden Teilnehmer aus Norderney und Hildesheim verlegen wir rasch und reibungslos zum Mittagshalt im Vielander Hof in Bramel. Dort ewartete uns nicht nur ein hervorragendes Labskaus (siehe Wikipedia), sondern auch ein Delegierter der dort ansässigen Reservistenkameradschaft um uns Willkommen zu heißen und zu einem Umtrunk einzuladen.
Hierbei wurden die Verbandsabzeichen getauscht.

Mit ordentlich gestopften Mägen ging es zur Glückstädter Fähre, wo Ducky feststellen musste, dass sich an seinem Munga nun doch Reparaturbedarf ankündigte.

Kurz vor der Fähre hatte sich das Forumsmitglied Admiralfahrer samt seiner Admiralin uns angeschlossen.
Ein glückhafter Umstand, denn Duckies Teileprobleme konnten somit gelöst werden.
Er wird am kommenden Werktag die dringend benötigte Kupplung samt Zentrierdorn an unseren Kameraden von der PzGrenBtl 908 in Torgelow per Express senden, so dass eine erfolgreiche Reparatur im Lager Rieth an unserem Ruhetag möglich sein wird.

Auf der Fähre konnten wir zahlreiche interessierte Bürger über unsere Fahrt informieren und gleichzeitig noch ein paar Euro für die Jenny Böken Stiftung sammeln.

Die Fahrzeuge erwiesen sich einmal mehr als Öffentlichkeitsmagnet.

Der restliche Fahrtabschnitt führte uns über die sehr abwechslungsreiche und hügelige Landschaft der holsteinischen Schweiz bis nach Benz, wo unser Mitglied Benzschrauber und seine Familie uns ihre Werkstatt als Biwakplatz zur Verfügung stellten.
Simon grillte uns 10kg Fleisch und bewirtete uns mit regionalen Bierspezialitäten.
Wo kurz vorher noch gegessen wurde, mussten Biertischgarnituren und Besteckkörbe ihren Platz räumen, denn Duckies Munga kränkelte!
Die Zeit für Lötarbeiten am Bremslichtschalter wurde für eine umfassende Inspektion genutzt.

Diese offenbarte schlechte Nachrichten: das Radlager der Hinterachse links war jenseits der Verschleißgrenze.
Nun war guter Rat(d) teuer.
Weiterfahren, oder stehen lassen?
Letzteres würde einen Fahrzeugverlust in der Gruppe bedeuten.
Die Stimmung sank auf den Nullpunkt.

Der Plan sieht nun vor mit dem Munga noch bis nach Eberswalde in Jay_Dee´s Werkstatt zu fahren, um das Radlager dort zusammen mit der Kupplung zu tauschen.
Schauen wir mal….

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