19.10.2011 – Durch Frankreich und das Saarland nach Kusel, oder “Der erste Schnee”

Jörg 19. November 2011

0600 – leichter Niesel benetzte Wege und Fahrzeuge als sich ein kleiner Insttrupp daran machte die Fahrzeuge vor der zweitlängsten Tagesetappe der “Erfahrenen Heimat“ abzuschmieren. Der Rest schlummerte noch im Gemeindehaus und auch die Fabbris dämmerten noch im T3.

In Karles Garage stand uns eine Grube zur Verfügung um dem Munga und dem Kübel des UvD die nötigen Schmierstoffe zu verabreichen. Simon prüfte am Hanomag alle Flüssigkeiten, während ich bewaffnet mit der Fettpresse denn nicht enden wollenden Schmierstellen zu Leibe rückte. Das Ganze zog sich gute 1,5h.
Nachdem die Fahrzeuge ihre “Ölung” erhalten hatten ging es ins Gemeindehaus, wo der Rest der Truppe bereits eine Riesenmenge Kaffee zubereitet und den Frühstückstisch gedeckt hat.
Als ich den Raum betrete, stehen alle auf und ein fröhliches Geburtstagständchen ertönt.

Ich nehme die Glückwünsche und den Kuchen in Form einiger Schaumküsse dankend entgegen und bemerke daß wir ab sofort jeden Morgen Singen sollten.

Um den Blog der Etappe nach Füssen veröffentlichen zu können mussten die vielen Fotos noch hochgeladen werden. Über die schwache drahtlose Verbindung in Sonderbuch konnte das nicht zeitgerecht geschehen, weswegen ich beschloss die Kolonne fahren zu lassen und später mit Ducky als Beifahrer hinterherkommen zu wollen.
Nach ca. 1,5 Stunden war die Arbeit am Blog abgeschlossen, so daß wir unsere Fahrt beginnen konnten.
Ich verscheuchte Ducky vom Fahrersitz und teilte ihm mit, daß wir die Rumkriecherei mal unterbrechen und er es sich für eine Zeit auf dem Navigatorplatz gemütlich machen soll.
Zündung, Starten und nach einem Tritt aufs Gaspedal ließen die 4 Drosselklappen den teuren Saft, vermischt mit etwas Luft in Brennräume gelangen.
Da war er wieder – und lief selbst bei diesem diesigen Wetter zwar etwas holperig, aber sauber.
Ich dachte kurz an Herrn Gies und seinen Neid über die bevorstehende Serpentinenfahrt, die ich diesmal mit dem Kübel bewältigen durfte.
Danbar bemerkte ich daß Ducky die Standheizung bereits einige Zeit hatte laufen lassen.
Im Gemeindehaus war es mittlerweile ziemlich kalt geworden und obwohl die Tasten ordentlich klapperten hatte ich eiskalte Finger.
Diese sollten sich bei der vor uns liegenden Verfolgungsfahrt, unterstützt von der bollernden Standheizung, jedoch nach den ersten 5 Haarnadelkurven die wir im Drift nahmen, schnell wieder auf normale Temperaturen einstellen.
Doch zuvor galt es sich erstmal an das völlig veränderte Wetter zu gewöhnen, die Tage zuvor hatten wir schließlich bestes Sonnenwetter gehabt.

Bei einem Tankstopp in der Nähe von Dornstetten mischten sich die ersten Schneeflocken unter die Regentropfen.

Die Karwane hatte dort zuvor Roland mit seiner Liebsten und dem LT40 aufgenommen und ihre Fahrt in Richtung Rheinübergang fortgesetzt.
Auf dem folgenden Streckenabschnitt hinauf zur Schwarzwaldhöhenstraße ging mit jedem Höhenmeter der Schneeregen etwas mehr in Schnee über und wir, die mit einer runden halbe Stunde Verspätung hinter der Kolonne herfuhren konnten uns bereits über eine feine Winterlandschaft freuen.

Im Roadbook der Vorausfahrenden heißt es nun:
“Vor dem Mittaghalt galt es noch Siggi am Bahnhof in Achern abzusetzen. Ihre Tochter war erkrankt und sie wollte sie mit der Pflege des Enkelkindes unterstützen.

Von nun an konnte Markus beweisen wie viel Cheffahrer in ihm steckt. Dem bockigen Getriebe des Munga zeigte auch er sich erst nach einiger Eingewöhnung überlegen.

Auf dem Weg vom Bahnhof zurück zur L87 nahm der Gies im GruKw die Rechtskurve etwas zu eng. Endlich mal eine fordernde Geländeeinlage die dank der lang entbehrten Allradnutzung bezwungen werden konnte.” ( Hierüber werden wir wohl nochmal sprechen müssen – zumal ich die Allradfunktion mittels Freilaufnaben an der Vorderachse deaktiviert hatte!!)

Am Rheinübergang wo Ducky und ich wieder Zum Rest stießen aßen wir im alten Zollhaus á la carte während unsere Fahrzeuge neugierig von den dort rastenden LKW-Fahrern umlagert wurden.

Nun in Zivil auf nach Frankreich! Nächster Halt war Bitché wo uns Andreas, Rainer und Co auf einem Supermarktparkplatz nahe der Stadtmitte erwarteten. Die Vogesenfahrt war auch bei dem bedeckten Himmel ein Vergnügen. Ganz anders war hier der Baustil der Wohnhäuser in den Städtchen und auf dem Land. Und in Bitché faszinierte uns die Festung auf dem Berg über der Stadt. Ein wirklich imposanter Bau. Es muss ein ganz anderes Lebensgefühl sein im Schatten eines solchen Kolosses zu wohnen und zu arbeiten.

Die Freunde schlossen sich uns an um uns bis nach Kusel zu eskortieren. Auf dem Weg zum zweiten Tankstop schwächelte der Munga von Andreas kurz. Sein Herr half ihm aber rasch wieder auf die Sprünge.

Unterdessen gab es einen weiteren Fahrzeugwechsel. In der Nähe von Bitche gab es einen Fahrzeughändler, mit dem ich bereits Wochen zuvor Kontakt hatte und wobei es um den Kauf eines Renault TRM 2000 ging. Da uns die Tour direkt an seinem Gelände vorbeiführte, nutzte ich die Gelegenheit um mir einige Fahrzeuge anzuschauen.
Herr Gies stieg bei mir im Kübel ein und verscheuchte mich mit einem fetten Grinsen auf dem Gesicht wiederum vom Fahrersitz. Wahrscheinlich war dies auch seine Motivation sich mit mir die Renaults anzuschauen.
Nach wenigen Kilometern kamen wir in ein vom Militär beherrschtes Gebiet und erreichten nach unzähligen Kasernenanlagen das Fahrzeugdepot wo der besprochene TRM 2000 mit Seilwinde stehen sollte.
Offenbar beherbergt die Umschreibung “guter Zustand” in anderen Gegend Westeuropas unterschiedliche Auslegungen, weßhalb wir uns dann auch wieder verabschiedeten.

Zurück auf der Bundesstraße fuhren wir zuerst in die falsche Richtung, wobei “falsch” eigentlich nicht der richtige Ausdruck war.
Die Route führte uns zwar immer weiter weiter weg von der eigentlichen Landstraße hinein in das Gebiet des Übungsplatzes (welcher befahren werden durfte), jedoch bekamen wir dabei eine Menge übendes französisches Militär zu Gesicht, angefangen von Infanterie, bepackt bis ans Ende der Leistungsgrenze, bis hin zu Fahrzeugen diverser Bauarten.
Wir waren mit unserem Kübel offenbar eine echte Sensation, zumindest drehten sich eine Menge Hälse nach uns um.
Schließlich kamen wir an eine Herde seltsam anmutender Felltiere und wir entschieden uns zur Umkehr auf die vom Navi vorgeschlagene Strecke.

Zurück auf der richtigen Straße (natürlich schon wieder Serpentinen, diesmal aber in den Nordvogesen) ließ es sich der Gies nicht nehmen einen GolfIV TDI zu ärgern und diesen dann in einer der berühmten Haarnadelkurven auf der Innenseite Derselbigen zu überholen. “Haste ein neues Fahwerk, wa?” bemerkte er trocken, dabei genüsslich an seiner Kippe ziehend.
Der Golffahrer hatte dabei das Entsetzen im Gesicht, entweder waren wir die Ersten die ihn seiner Hausstrecke überholten (er erschien sich ziemlich sicher zu sein uns abzuhängen), oder er glaubte einfach nicht daran daß dieses “Kooblecar” ihn jemals überholen könnte.
Nun gut, nachdem der penetrante Gestank von verbranntem Öl (das war der eigentlich Grund den vermeindlichen Golf mit schadhaften Kolbenringen zu überholen) allerdings immer noch nicht weg war, hielten wir sicherheitshalber an.
Das Öffnen der Motorklappe offenbahrte des Rätsel Lösung – denn der Ölgestank war hausgemacht.
Nach kurzem Rumgebrülle meinerseits nahm ich mir fest vor den Leihwagenfahrer beim nächsten Kontakt die Fahrerlaubnis zu entziehen.
Offenbar hatte einer der Beiden bei der letzten Ölkontrolle vergessen den Ölpeilstab wieder richtig in seiner werksmäßige Öffnung zu versenken.
Dieser quittierte die Undichtigkeit bei den zuvor gefahrenen hohen Drehzahlen mit Ölfontänen aus dem Ölstabrohr.
Die sich schnell drehende Keilriemenscheibe sorgte dann für das pedantische Verteilen des gesamten “Spritzöles” im gesamten Motorraum.
Wenn er auch vorher nicht gefährdet gewesen wäre – rosten tut da sicher nie wieder was….

Beim Tankstop in Konken traf dann auch kurz hinter uns die restliche Kolonne ein.
Das freudige Wiedersehen wurde allerdings schnell durch einen weiteren Zwischenfall getrübt.
Kühlwasser ergoss sich aus Freddys Munga auf den Asphalt. Der Übeltäter war nach Haubenöffnung schnell ermittelt: Der obere Kühlerschlauch hatte ein feines Löchlein entwickelt aus dem in dünnem Strahl das Kühlwassser in Richtung Luftfiltergehäuse entwich. Guter Rat war ebenso teuer wie schnell zur Hand: Andreas hatte einen neuen Schlauch, der mittlerweile mit Gold aufgewogen wird, vormontiert mit allen Einbauteilen und Anschlüssen in seinem Ersatzteilfundus mitgeführt. Freddy konnte ob der vielen helfenden Hände selbst nicht mehr bis zum Motorraum des Munga vordringen und schon nach 10 min waren die Instandsetzungen abgeschlossen, Wasser frisch aufgefüllt und die Haube geschlossen. Eine absolut rekordverdächtige Leistung und ein extrem seltenes Zusammentreffen von Defekt und Ersatzteilglück.
Der Motorraum des Kübels war in der Zwischenzeit unter Zurhilfenahme einer vierstelligen Anzahl Papiertüchern auch wieder sauber geworden.

Nun konnte also Kusel zeitgerecht erreicht werden. Bei schlagartig eingetretener Dunkelheit nahmen wir die letzten Meter bis zum Kasernentor. Dort angekommen musste die Wache zunächst einmal herausfinden für welchen Block wir eingeplant waren. Nach guten 25min, in denen die Freunde die uns bis hierher begleitet hatten sich verabschiedeten und den Heimweg antraten stand fest, dass unser Quartier in der 7. Ausbildungskompanie vorgesehen war.

Unsere Stuben lagen mitten zwischen denen der jungen freiwillig Wehrdienst Leistenden und so zogen wir uns zunächst zum Essen ins Mannschaftsheim, wo es noch einen Geburtstagumtrunk gab und später dezent auf unsere Stuben zurück, um den Ausbildungsbetrieb nicht zu stören.
Ein kleines Geburtstaghighlight gab es dann aber doch noch. Karle hatte im Auftrag der Teilnehmer der Erfahrenen Heimat wohl einen Kuchen auftreiben können. Was heißt Kuchen, was für ein Kuchen! ;)
Wir haben ihn uns schmecken lassen, vielen Dank nochmals hierfür!

Unsere Fahrzeuge fanden ihr Nachtlager im T-Bereich Rücken an Rücken mit Panzerhaubitzen.

Ein langer Fahrtag mit runden 320km Strecke, steillen Bergauf- und –abfahrten, Schnee, einem desillusionierten TDI Fahrer, einem vorläufigen Abschied und vielen Eindrücken ging zuende, und niemanden war etwas anderes näher als das eigene Bett.

Fazit: Der Schwarzwald ist ebenso wie der Munga immer für eine Überraschung gut.
Doppelfazit: Ich zähle die Tage bis der Gies sich auch einen Kübel holt!

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben