18.10.2011 – Allgäu, Bodensee und Schwabenland
Jörg 20. Oktober 2011
0600 – Wecken! Warum auch nicht?

Da unsere Stuben in der Allgäu Kaserne im Block der 1. Kompanie lagen und da diese Kompanie täglich um 0700 auf dem Hof des U-förmigen Gebäudes zum Dienstbeginn antritt, haben wir uns zurechtgelegt, dass alle Teilnehmer das Gebäude mit allen Ausrüstungsgegenständen um spätestens 0645 zu verlassen haben würde.
Wir gingen also pünktlich zu den Fahrzeugen und anschließend zum Frühstück in die Truppenküche.
Nach dem Essen galt es die allmorgentliche Medikamtenenausgabe durchzuführen, hier mal bildlich festgehalten.


Um 0830 begann heute unsere Fahrt in Richtung Bodensee damit wir unser Zwischenziel Stetten a.k.M. rechtzeitig erreichen konnten.
Hier wartete OL Klotz auf uns, der sich in der Planungsphase der „Erfahrenen Heimat“ nach der Veröffentlichung des Vorhabens in der „loyal“ per Mail gemeldet hatte um uns zu einem Besuch der Sammlung im Lager Heuberg einzuladen.
Um dort um 1430 einzutreffen mussten wir uns ranhalten.
Die Abfahrt von Scheidegg nach Lindau bot uns die letzten Alpenserpentinen dieser Fahrt.
Während der Fahrt begeneten wir erwartungsgemäß nicht nur atemberaubender Landschaft, wie die folgenden Bilder beweisen…

… sondern auch einer merkwürdigen Gestalt, welche bekleidet mit einem Regencape und einer Lederkappe, jederzeit bereit zu sein schien vom Fahrrad zu springen und Selbiges schon mal durch Ausklappen des Ständers dafür vorbereitet hatte.
Auf der Bundesstraße entlang des Bodensees kamen wir zwar weiter gut voran, allerdings ist von dieser Trasse bis kurz vor Überlingen, wo wir denn auch schon nach Norden abbogen, praktisch nichts vom größten Binnensee in unseren Breiten zu sehen. Nur ganz kurz also konnte man den nordwestlichen Arm entdecken. Zudem hing Dunst in der Luft, so dass man das jenseitige Ufer der Halbinsel nur undeutlich erfassen konnte. Schade! Man hätte nach den landschaftlichen Attraktionen der vergangenen Tage mehr erhofft.
Egal! Immerhin hatte man scheinbar extra für uns, möglicherweise aber auch für die hier gefürchteten BSE-Touristen noch eine ansehnliche Kirche in einen etwas zu akkurat imitierten Weinberg gepflanzt.
Mittagshalt beim Amerikaner in Überlingen: Siggi hatte einige Mühe in dem ihr praktisch unbekannten Sortiment etwas Adäquates zu ermitteln. Das Personal reagierte auf ungewohnte Fragen etwas gereizt. Am Ende fiel Ihre Wahl auf einen Salat und zum Nachtisch gab es noch ein Stück Kuchen und einen Cappuccino. Der Rest der Gruppe deckte das Mainstream-Sortiment ab und nach einigen Minuten war der Hunger Aller gestillt.
Die Sonne schien unerschütterlich vom wolkenlosen Himmel und ich riss mit Thomas kurzentschlossen das Fahrerhausdach des GruKw auf.
Nun noch eine halbe Stunde nach Norden wo das Lager Heuberg lockte.
Zuvor durcheilten wir aber noch das obere Donautal, das wir von Gutenstein bis Tiefental befuhren. WAS FÜR EINE LANDSCHAFT!!! Die in das Gebirge aus Kalkstein eingeschnittene Donau und die in das schmale Ufer gefräste Strecke, die mit exotisch anmutenden Tunneln gespickt ist waren eine echte Augenweide.
Generationen von Soldaten waren diesen Weg entlang vom Bahnhof und dann die Kehren der ansteigenden Straße nach Stetten hinauf marschiert um in das Lager Heuberg einzurücken und auf dem gleichnamigen TrÜbPl zu üben.

Wir hatten es da etwas leichter, da durch Ziehen des beliebten “Zauberknopfes” dem Hanomag je nach Einstellung bis zu 50PS mehr an Leistung zur Verfügung stehen.
Damit lassen sich auch schwierige Steigungen problemlos bewältigen.
Daher ist folgende Handbewegung des leistungshungrigen Herrn Gies als fahrtentypisch zu beschreiben.

Neben dem bemerkenswerten Schub sorgen auch die Vernebelung der Rückwärtigen Strecke für das Abschütteln aller Verfolger.
Kurz vor der Ankunft im Lager Heuberg sprangen mir diese beiden Motive vor die Linse, welche den Zusammenhang zwischen Bundeswehr und Jahrhunderte alter baulicher Architektur, vortrefflich zu kombinieren schienen.
Am Tor des Lagers erwartete uns schon der OL Klotz um uns durch die Wache zur Sammlung lotsen. Hier angekommen führte er uns durch die Ausstellung, die insbesondere mit einem 1:1-Modell der hier erprobten „Natter“ aufwartete.
Besonders interessant: Der Ingenieur Erich Bachem lebte nach dem Krieg vom Wohnwagenbau. Der „Eriba“ war genau wie die Natter aus Holz und Aluminium gebaut.

In der benachbarten Panzerhalle besichtigten wir etliche, großteils in privater Hand befindliche Fahrzeuge, die hier abgestellt sind um interessierten Besuchern gezeigt werden zu können.
Ein schönes Beispiel einer gedeihlichen Zusammenarbeit zwischen privaten Sammlern und der Bw.
Vor der Panzerhalle konnten wir beobachten, wie ein Pionierpanzer “Büffel” auf einen SLT verladen wurde, bzw. der Versuch gemacht wurde diesen zu verladen.
Der Erfolg konnte sich aufgrund abgefahrener Kettenpolster nicht einstellen, die Kette des Leopard 2 Fahrgestells beschädigte beim Auffahren die Rampen des Aufliegers.
Interessanterweise standen im Lager Heuberg auch einige Renault TRM 2000 LKW der Deutsch-Französischen Brigade, welche in letzter Zeit des Öfteren Thema im Militärfahrzeugforum gewesen sind.
Unsere Fahrzeuge machten dort allerdings auch eine sehr gute Figur.
Anschließend verlegten wir leicht umleitungsbehindert nach Zwiefalten, wo sich Karle auf unseren Besuch freute.
Auch er gehörte zu denjenigen, die sich früh gemeldet hatten um ihre Unterstützung anzubieten. Auf seinem Bauernhof angekommen wurden wir herzlichst begrüßt und zunächst einmal zu seinem echten 6er Munga mit Zapfwelle und Winde sowie durch die Teilelager geführt. In allen Ecken und Winkeln schlummerten Teile. Merkwürdig nur, dass man sich beeilen konnte wie man wollte, der ROA Kribbeler war immer schon vor allen Anderen mitten drin zwischen Kisten und Kasten.
Nach intensiver Kontrolle aller Taschen an Simons Uniform und unvermeidlichem „Hände vorzeigen!“ das durch irgendeinen undurchsichtigen Trick des Delinquenten ohne Ergebnis blieb, ging es in die geschmückte Doppelgarage, wo ein lukullisches Abendessen aufgebaut war. Schnitzel mit Spätzle, raffiniert gewürztem Kartoffelsalat und einer feinen Soße.
Wir einigten uns schlagartig darauf, dass dies das leckerste der privat organisierten Abendessen gewesen sein dürfte. Zu unserer Freude erschien auch noch Werner „MuFu“. Weder Karle noch Werner hatten je einen von uns persönlich getroffen. Durch Jahre des schriftlichen Austauschs war aber eine Vertrautheit entstanden, die zusammen mit dem herzlichen Empfang in kürzester Zeit zu einem freundschaftlichen Miteinander leitete, wie man es unter uralten Freunden pflegt.

Karle hatte für uns das nahe gelegene Gemeindehaus als Unterkunft reserviert. Ein schönes altes Haus in dessen Erdgeschoss ein großer Saal mit Parkett und angeheiztem Kachelofen aufwartete, wo auch schon ein gedeckter Frühstückstisch zu finden war. Karle, seine Familie und Freunde, die „Mungabande“ hatten sich viel viel Mühe gegeben.
Noch ein unverwechselbarer Abend unter Freunden nahm seinen Lauf und trotz der schon chronischen Müdigkeit konnten wir uns von unseren Gastgebern kaum losreißen.
Fazit der heutigen Etappe: Die Schwaben sind Pfundskerle bei den man sich wohlfühlen muss.
Fazit 2: Wer glaubt nach den Alpen wird´s langweilig, sieht sich jäh getäuscht. Unsere Heimat hält immer noch Überraschungen bereit.
Fazit 3: So ein offener Hanomag kann ungemein praktisch sein wenn mal brennen soll.
- Oldtimer in Oliv auf großer Deutschlandfahrt 2011
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